Nahost-Forum trifft Salzmanier

Am 18.07.2007 hatten die Schüler und das Lehrerkollegium der Salzmannschule Schnepfenthal die Ehre, Herrn Dr. Jürgen Schuchardt, Mitglied des Vorstandes und Leiter der AG Syrien des Nahost-Forums, begrüßen zu können. Meiner Einladung folgend, fand Dr. Jürgen Schuchardt den Weg zu unserer Schule, um hier in einen Vortrag zum Thema  „Chancen und Herausforderungen für eine Lösung der Konflikte im Nahen Osten” zu halten.

Dabei bezog sich der Redner auf ein Colloquium, welches jüngst vom Nahost-Forum in Berlin veranstaltet wurde und auf dem ein Appell  an die Bundesregierung verabschiedet wurde. Ausgehend von einem kurzen Einblick in die glanzvolle Geschichte der Region, auf der in unsere europäische Zivilisation fußt, dieser in der Zeit der Aufklärung so selbstverständlichen ideellen Brücke über das Mittelmeer, spannte er den Bogen zur heutigen Zeit, die von Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen bestimmt ist. Schnell wurde auch den Zuhörern die Notwendigkeit des Dialogs auf gleicher Augenhöhe nach den Maximen der Vernunft und Toleranz bewusst. Nur wenn alle gemeinsam an der Überwindung der Auseinandersetzungen arbeiten und die US-Regierung ihre Nahostpolitik korrigiert, kann ein „Flächenbrand” verhindert und der Bevölkerung langsam ein normales Leben zurück gegeben werden.

Das betrifft auch unsere europäischen und nationalen Lebensinteressen. Jeder versteht, dass dieser Flächenbrand verhindert und dort, wo er schon lodert, in unserem ureigensten Interesse bald gelöscht werden muss angesichts der Vielschichtigkeit der  Probleme und ihrer Verworrenheit kommt es immer wieder zu katastrophalen Rückschlägen und neuen Krisen. Niemand ist heute in der Lage im Alleingang eine schnelle Lösung der Konflikte herbeizuführen und noch komplizierter ist es, sie in die Tat umzusetzen.

Bei der Diskussion über die Krisen im Nahen Osten sollte man die unterschiedlichen Interessen, die die verschiedenen Länder bzw. Regierungen verfolgen nicht aus den Augen lassen. Es ist in der heutigen Situation schwer, einen Anfangspunkt zu finden, der den „Teufelskreis” auflösen wird. Aber der Gedanke einer internationalen Friedenskonferenz, in der alle politischen Kräfte zusammenfinden und bindende Entschlüsse fassen, wie die Anerkennung des Existenzrechts Israels durch alle arabischen Staaten, die Schaffung eines lebensfähigen palästinensischen Staates in klar definierten Grenzen einschließlich der Regelung der Flüchtlingsfrage, der stufenweise Abzug der US geführten Koalitionstruppen aus dem Irak, die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit im Libanon, die Rückgabe der Golanhöhen an Syrien, die baldige Klärung des Atomstreits mit dem Iran -  das sind Grundfragen, für die das Nahost-Forum im Bündnis mit vielen politischen Kräften in unserem Land ohne parteipolitische Bindung eintritt.

Nahohst Forum Salzmann Schule GothaDer Redner verdeutlichte wie jeder dazu im Sinne der Vernunft und des Völkerrechts aktiv beitragen kann. Entschieden verurteilte er den auch bei uns auftretenden Antisemitismus und ebenso den Terror gegen die Zivilbevölkerung. Auch hat niemand das Recht eine „Achse des Bösen” zu konstituieren und Staaten wie z.B. Syrien auszugrenzen. Syrien ist vielmehr ein letzter Stabilitätsanker in der Region. Ohne Syrien gibt es dort keinen Frieden.

Im Anschluss an den interessanten Vortrag, hatten die Zuhörer die Möglichkeit, Fragen an Herrn Dr. Schuchardt zu stellen, die anschaulich bewiesen, wie intensiv sich bereits die Schüler der höheren Klassenstufen  mit der Politik und der aktuellen Lage im Nahen Osten beschäftigen. Wann es in Palästina endlich Frieden geben wird, wie soll es im Irak weitergehen, welche Chancen hat die parlamentarische Demokratie in dieser Region, welche Rolle kommt Syrien zu, und von welchen Interessen lassen sich der Iran, Ägypten und Saudi-Arabien in dieser konfliktreichen Region leiten – das und anderes mehr  war von Interesse und wurde klug vorgetragen.

Bei der gemeinsamen Suche nach Antworten wurde immer wieder  klar, alles ist miteinander verbunden und nur in diesem komplexen Zusammenhängen zu verstehen ist. Dazu gehört ganz wesentlich die Rolle des Erdöls in der Strategie der USA Regierung gegenüber der Region oder die immer noch bemerkenswerte Rückständigkeit z.B. im Bildungswesen in einer Vielzahl arabischer Länder, die im UN „report of the arab development” von 2006  aufschlussreich enthalten ist.

Wie in allen Kriegen sind auch in den Ländern des Nahen Osten die einfachen Menschen die Leidtragenden der Situation, wie es der sich sei einigen Monaten entfachte Bürgerkrieg in den palästinensischen Gebieten zeigt, in welchem sich die politischen Parteien Hamas und Fatah einen erbitterten Kampf um die Macht liefern und  Prämien für Wohlverhalten durch ausländische Mächte verteilt werden.

Natürlich konnte auch Herr Dr. Schuchardt nicht alle Fragen beantworten, sondern nur Denkanstöße geben. Aber er gab mit seinem Vortrag tiefere Einblicke in die komplizierten Zusammenhänge der Nahostpolitik und regte somit ein tieferes Nachdenken und kluges Sich-Auseinandersetzen mit den Vorgängen in dieser Region an. Das wird später für die Berufsfindung eine wichtige Rolle spielen. Das Erlernen und Beherrschen der Sprache allein wird nicht ausreichen, um später in der Wirtschaft, der Diplomatie, der Ausbildung usw. erfolgreich tätig zu sein.

Ausgehend von diesem Vortrag, sollten daher im nächsten Schuljahr die Fragen zur Geschichte und Gegenwart der außereuropäischen Regionen, wie dem Nahen Osten in den Fächern zur Geschichte, der Philosophie, des naturwissenschaftlichen  und des Sprachunterrichts stärker integriert werden. Dazu gab die Zusammenkunft  mit unserem Gast aus Berlin zahlreiche Anregungen.

Im Anschluss an das Zusammentreffen mit den Schülern führte Herr Direktor Schmidt den Gast durch die Gebäude der Schule und erläuterte mit Stolz das schon Erreichte und die weitreichenden Pläne zum Neubau des Internats. Der Gast würdigte in einem Dankschreiben an den Direktor die großartigen Leistungen des Lehrerkollegiums und bezeichnete das Bildungskonzept der Schule als beispielhaft. Die Unterstützung, welche die Schule durch staatlich-regionale Institutionen sowie durch die Eltern erhält ist aus Berliner Sicht einmalig. Besonders beeindruckten den Sachverständigen zu den Nahostfragen die sehenswerten Leistungen der Schüler im kreativ-künstlerischen und außerschulischen Bereich. Es wurde Unterstützung für schulische Projekte durch das Nahost-Forum in Aussicht gestellt.

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September 15th, 2007 Kategorie: Politik



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3 Kommentare zu “Nahost-Forum trifft Salzmanier”

  1. Tom says:

    Salzmanier sind ..Schüler??

    mfg
    Tom

  2. Sarsura says:

    Stimmt, als "Salzmanier" bezeichnen sich die Schüler der Salzmann-Schule in Schnepfenthal bei Gotha/Thüringen

  3. Lazy says:

    Nahost-Forum nun auf Wordpress. Links angepasst im Beitrag.