Afghanistan-Konferenz: Wie geht es nun weiter?

afghanistan

bgr.bund.de

Die Afghanistan-Konferenz in London ist beendet und nun will man so richtig den Strategiewechsel angehen, auch wenn dieser kein Ergebnis der Konferenz als solches ist, sondern schon davor begonnen wurde.

Dass ein Strategiewechsel kommen musste, leuchtet wohl allen ein, ob er aber auch etwas bringt, ist sehr fraglich. Wer gestern Abend die Talkrunde Maybrit Illner verfolgte, konnte sich von der düsteren Lage und den noch düsteren Aussichten ein gutes Bild machen.

Vor mittlerweile acht Jahren ging man nach Afghanistan, um den Amerikanern zu helfen, Osama Bin Laden zu fassen und die Talibanregierung zu stürzen. Bin Laden wurde nicht  ausgeliefert und die Öffnung des Landes sowie die Etablierung einiger technischer Standards, die unter den Taliban verboten waren, brachten aber dennoch keinen Sieg gegen die Taliban.

Die deutsche Bundeswehr ging nach Afghanistan, um dort hauptsächlich Ausbildungsarbeit zu leisten. Doch bisher war diese Aufgabe weitaus weniger erfolgreich als hierzulande immer verkauft werden wollte. Da wundert es auch nicht, dass in der Talkrunde bei Maybrit Illner dann auftaucht, dass die deutschen Soldaten in einen Kampf geschickt wurden, der im Laufe der Jahre tatsächlich immer deutlicher hierzulande wurde.

Die Bundeswehr war ihrer Aufgabe in Kunduz nicht gewachsen, wie auch, kam sie mit der Aufgabe zur Ausbildung von Polizei und Armee in eine unsichere Region und wurde dort mehr oder weniger allein gelassen. Geheimdienstberichte, die schon wesentlich früher die prekäre Lage der Bundeswehr in Kunduz offen legten, wurden geschönt.

Nun ist das Dilemma da und man will durch den Strategiewechsel den Karren aus dem Dreck ziehen. Ob es gelingt, bleibt abzuwarten, über das wie wurde ja ausführlich diskutiert und beschlossen. Man muss Afghanistan sichern und den Taliban die Machtgrundlage entziehen. Nur wenn das gelingt, kann man von Erfolgen sprechen.

Dabei geht es aber nicht mehr um Afghanistan als solches, sondern durch die Sicherung Afghanistans und den dortigen Kampf gegen die Taliban will man Pakistan retten und verhindern, dass dieses Land in die Hände der Islamisten fällt. Seit der Ermordung Bhuttos und den bereits davor begonnenen Unruhen rutschte das Land immer weiter in das Chaos ab.

Da die pakistanische Regierung immer als amerikafreundlich galt, hatte man bisher wohl auch keine Einwände dagegen, dass hier Atomwaffen lagerten. Durch die neue Situation und die instabile Lage dürfte dies aber mittlerweile etwas anders aussehen.  Man befürchtet ganz einfach, dass die Taliban die Macht in Pakistan  übernehmen könnten, sich die Atomwaffen zu eigen machen könnten und in Afghanistan ihr Rückzugsgebiet finden könnten.

Dieses Rückzugsgebiet zu blockieren heißt es bei dem Kampf gegen die Taliban in Afghanistan. Ein Plan, der zwar gut ist, aber schwer umzusetzen sein dürfte. Man darf auch nicht vergessen, dass der Jemen eine weitere Hochburg für Islamisten ist, in den sich auch immer mehr aus Pakistan und Afghanistan zurückziehen.

Will man in Afghanistan etwas erreichen, muss neben der militärischen Offensive auch eine politische Verhandlungsstrategie mit dem Gegner her. Aber auch dies dürfte sich als schwierig erweisen, da die Taliban eher nicht gesprächsbereit sind und mit westlichen Mächten an einen Tisch treten und dort verhandeln wollen.

Die Taliban fühlen sich auf der Siegerspur und bisher konnte ihnen von den westlichen Mächten auch nicht das Gegenteil bewiesen werden, wie auch, wenn Soldaten nur mit Begleitschutz amerikanischer Soldaten bereit sind, ihr Quartier zu verlassen.

Die Bevölkerung ist noch immer mehr oder weniger auf sich selbst gestellt, vom Schutz durch die internationalen Truppen merken sie noch nicht viel. Vielleicht ändert sich das aber jetzt mit vollem Einsetzen des Strategiewechsels.

Dennoch wurde viel erreicht: Die Bevölkerung hat sich zum Großteil selbst geholfen, unterstütz von Hilfsorganisationen, so dass man sagen kann, dass viele Distrikte sicher sind. Zwar kommt das in den Medien meist zu kurz, aber sollte vielleicht auch einmal angesprochen werden.

Eine weitere große Hilfe wäre wohl auch, die Regierung endlich neu zu gestalten, denn hier liegt der eigentliche Krebsschaden des Landes. Solange die Regierung so korrupt ist, dass man sich Ämter erkaufen kann und muss, solange wird auch die Bevölkerung immer leiden und solang wird auch die Taliban immer wieder Mitläufer und Anhänger finden.

Es war, ist und wird auch noch lange Zeit eine verzwickte Situation in Afghanistan bleiben, in der alle dazu aufgefordert sind, an den verschiedensten Fronten gleichzeitig zu agieren und Einsatz zu zeigen. Ob die neue Strategie wirklich erfolgreich sein kann und hält, was landläufig nun versprochen wird, sei mal mit einem ganz großen Fragezeichen dahingestellt.

Beliebte Suchanfragen zu diesem Artikel

afghanistan konferenz, afghanistan, 3381),

Januar 29th, 2010 Kategorie: Europa, Naher Osten, Politik



Verwandte Artikel: