Afghanistan: Versöhnungsangebot von Taliban zurückgewiesen

welt.de
Auf der Afghanistan-Konferenz in London Ende Januar legte man gemeinsam eine neue Strategie fest, die endlich für Frieden und Sicherheit in Afghanistan sorgen soll. Doch wie realistisch sind die neuen Festlegungen und Überlegungen, wenn man bedenkt, dass sie nur mit dem afghanischen Präsidenten Karsai gemacht wurden.
Man einigte sich auf einen Fond für kriegsmüde Taliban, um ihnen so die Hand zu reichen und sie aus den Fängen der Terroristen zu holen. Die Definition ist weit gefehlt und nur von westlicher Seite und der afghanischen Regierung ausgemalt worden.
Die Taliban werden auf solche Angebote sicher nicht eingehen, zumal sie sich bisher noch immer siegessicher fühlen können. Manche Festlegungen der Afghanistan-Konferenz in London sind eher die letzten Versuche, den Karren endlich noch aus dem Dreck zu ziehen, ob sie aber auch wirklich realisierbar sind und vor allem eine Wendung in Afghanistan bringen, ist dann doch eher fraglich.
Die Taliban sehen die Afghanistan-Konferenz sowie die neuen Festlegungen und den Fond als reine Ironie und vor allem als Trick, um so von intensiveren Kriegsvorbereitungen abzulenken. Da scheint ja auch etwas Wahres dran zu sein: Kurz nach Ende der Konferenz wurde plötzlich eine Großoffensive in Südafghanistan angekündigt, von der vorher nie die Rede war, zumindest nicht offen.
Währenddessen versuchte Karsai in Afghanistan an die Taliban heranzutreten und unterbreitete ihnen ein Versöhnungsangebot. Dieses Angebot ist aber eine plumpe Kapitulationserklärung, die niemals Erfolg haben wird.
Die Taliban weigern sich, dieses Versöhnungsgesuch anzunehmen, da es nicht einmal ansatzweise eine Grundlage zur Versöhnung bildet. Im Gegenteil, es fördert eher noch mehr Hass auf die Regierung in Kabul und ihre Verbündeten.
Eine Versöhnung bedeutet, dass man eine Grundlage schafft, auf der man diskutieren kann und vor allem, von der beide Seiten profitieren können. So wie sich das der afghanische Regierungschef Karsai ausmalt, läuft es auf keinen Fall.
Karsai kann nicht ernsthaft daran geglaubt haben, dass sein Versöhnungsgesuch auch nur ansatzweise von den Taliban angenommen würde. Immerhin fordert er die Entwaffnung der Mujaheddin, die Anerkennung der Verfassung und den Ablass von Gewalt. Utopische Vorstellungen, die eher noch mehr Gewalt heraufbeschwören.
Die Taliban zeigen sich aber durchaus bereit zu Verhandlungen, wenn ihnen wirkliche Versöhnungsangebote unterbreitet würden und keine verkappten Kapitulationen untergeschoben würden. Die derzeitige Vorgehensweise der afghanischen Regierung fördert also nur noch mehr Gewalt, als dass sie endlich für Ruhe und Frieden sorgen könnte.
Bei all den Kämpfen und Versuchen gegen die Taliban vorzugehen, darf man aber auch nicht vergessen, dass ein Afghanistan mit einem korrupten Präsidenten und einer durch und durch korrupten Regierung niemals den Anforderungen des Westens gerecht werden kann und zur Ruhe kommt.
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