Irak: Selbstmordanschlag auf schiitische Pilger

Ashura-Rituale

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Dass der Irak besonders für religiöse Minderheiten ein gefährliches Pflaster ist, ist wohl bekannt. Während und nach dem Krieg im Irak kamen viele Menschen ums Leben, viele flohen in die Nachbarstaaten Syrien und Jordanien oder nach Europa.

Obwohl man oft geneigt sein könnte, die Lage im Irak mittlerweile als entspannter zu betrachten, sollte man keine voreiligen Schlüsse ziehen. Zwar ist es ein wenig ruhiger geworden, allerdings gibt es immer wieder Anschläge auf Kirchen, Moscheen und andere öffentliche Plätze.

Der neuste Selbstmordanschlag einer Frau versetzt die Welt einmal mehr in Empörung und Trauer. Der Anschlag galt dieses Mal schiitischen Pilgern, die auf dem Weg nach Kerbala, einem ihrer wichtigsten Pilgerstätten waren.

Mehr als hundert Menschen wurden nach Angaben aus den Krankenhäusern verletzt. Im Norden der Hauptstadt Bagdad machten die Pilger auf ihrem Weg nach Kerbala Rast und wurden von freiwilligen Helfern mit Getränken und Snacks versorgt. Neben den vielen Verletzten sind auch mindestens 40 Tote zu beklagen.

Die Selbstmordattentäterin zündete den Sprengstoffgürtel inmitten der rastenden Pilger in einer extra für Frauen errichteten Kabine zur Durchsuchung. Eine Sicherheitsmaßnahme, die in diesem Fall rein gar nichts brachte.

Am fünften Februar, genau vierzig Tage nach Ashura gedenken die Schiiten des Todes ihres Imams Hussein, der in der Schlacht bei Kerbala um 680 als Märtyrer fiel. Die Menschen begehen ein mehrtägiges Trauerritual und suchen hierfür Kerbala auf, da an dieser Stelle ihr Imam damals sein Leben lassen musste.

Der Anschlag wurde weltweit verurteilt, auch unser deutscher Außenminister Guido Westerwelle verurteilte den Anschlag aufs Schärfste und rief weiter dazu auf, an die Aussöhnung zu glauben und sich dafür einzusetzen.

Die nächsten Wochen könnten gefährlich und brisant werden. Zum einen dürften erneut viele schiitische Pilger zu erwarten sein, die ihres Imams Hussein gedenken wollen und nach Kerbala aufbrechen. Zum anderen stehen die Parlamentswahlen im Irak bevor. Hier soll am 07. März gewählt werden.

Solche Ereignisse bieten leider immer wieder eine gute Angriffsfläche für Anschläge religiöser Fanatiker, da hier große Menschenmengen zusammenkommen oder politische Errungenschaften geschwächt oder beschmutzt werden können.

Man kann nur hoffen, dass die Lage im Irak nicht wieder so ausartet, dass Menschen jederzeit und überall mit Angriffen rechnen müssen (wieder mehr als es derzeit der Fall zu sein scheint) oder gar Angst haben, in ihre Autos zu steigen, da sie nicht wissen, ob vielleicht eine Autobombe darunter fixiert wurde.

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Februar 1st, 2010 Kategorie: Naher Osten, Politik



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