Irak: Vermehrte Anschläge auf Schiiten und Krise vor der Wahl

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Obama legte so viel Hoffnung in den Irak und vor allem in seine Politik. Der teilweise Abzug der US-Truppen aus den Städten brachte aber bisher keineswegs die erhoffte Ruhe. Im Gegenteil, kurz nach Rückzug nahm die Gewalt auf den Straßen vor allem gegenüber religiösen Minderheiten zu.
Auch zum diesjährigen Ashura-Fest der Schiiten, kamen viele gläubige Pilger in Kerbala oder auf dem Weg dorthin um. Die Gewalt gegenüber den Schiiten ist nach wie vor ungebrochen. Erst gestern kamen erneut mindestens 40 Schiiten in Kerbala ums Leben.
Gestern feierten die Schiiten das Arbain-Fest, eine Gedenkfeier an den Imam Hussein, der um 680 in der Schlacht bei Kerbala gegen den sunnitischen Herrscher Mu`awija als Märtyrer starb. Es versammelten sich am Freitag fast eine Millionen schiitische Pilger, um gemeinsam die Feierlichkeiten zu begehen.
Der Anschlag gestern ist bereits der dritte Anschlag innerhalb einer Woche auf schiitische Pilger und zeigt deutlich die noch immer fehlende Stabilität im Irak. Vor allem aber macht es eins ganz deutlich: Den innerislamischen Kampf zwischen Sunniten und Schiiten um die Vorherrschaft in der arabischen Welt.
Der Traum Obamas von mehr Ruhe und Ordnung und vor allem der Führungsstärke al-Malikis dürfte schon lange ausgeträumt sein. Nun stehen sogar die Wahlen im März auf der Kippe. Nicht nur die Gewalt im Lande, auch die Unstimmigkeiten über die Aufstellung der Kandidaten, gefährdet die Wahl.
Am vergangenen Dienstag erging in einem Richtergremium der Beschluss, dass die über 500 hauptsächlich sunnitischen Kandidaten, die von der Wahl ausgeschlossen wurden, nun doch antreten dürfen. Man wollte sie nicht als Kandidaten zur Wahl aufstellen lassen, weil sie der früheren Baath-Partei von Saddam Hussein angehörten.
Da dieser Vorwurf aber nicht eindeutig bewiesen werden konnte, wurde nun per Gerichtsentscheid der Ausschluss dieser Kandidaten aufgehoben, sehr zum Zorn der derzeit amtierenden, vorwiegend schiitischen Regierung in Bagdad. Dass bei der im Richtergremium gefundenen Entscheidung auch Amerika seine Hände mit im Spiel hatte, dürfte dabei eigentlich keinen verwundern.
Der amerikanische Vizepräsident Joseph Biden kam extra nach Bagdad, um dort das politische Klima zu retten und die Wahl so demokratisch wie möglich ablaufen zu lassen. Ob die Bemühungen etwas bringen, ist unklar. Klar ist nur, dass Amerika den Zorn und Unmut des amtierenden irakischen Präsidenten al-Malikis auf sich gezogen hat.
Dieser verbot sich jegliche weitere Einmischung aus dem Ausland, hier wohl nur der Einfluss aus Amerika gemeint, da die aufgehobene Sperre illegal ist und vor allem die Sicherheit des Landes gefährdet. Nun wird auf einer Dringlichkeitssitzung über die Aufhebung der Kandidatensperre entschieden.
Al-Maliki, der alle Vorwürfe zurück wies, selbst auf Stimmen aus dem Ausland zu hören, dürfte hier allerdings geflunkert haben, denn die Einflüsse aus dem Iran sind auch im Irak deutlich spürbar. Überall dort, wo Schiiten sind und auch einen Teil der Macht innehaben, mischt sich der Iran ein, um die Schiiten zu stützen und die Sunniten zurückzudrängen.
Der Kampf zwischen den beiden Religionsgruppen des Islam wird immer deutlicher und an manchen Stellen zeigt sich bereits ein offener Stellvertreterkrieg zwischen dem Iran und Saudi-Arabien. Die Ordnung im Nahen Osten beginnt sich zu verändern und die beiden Kontrahenten tuen alles dafür, die Macht und Vorherrschaft über die Region zu behalten bzw. auszuweiten.
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