Malaysia: Neue TV-Show "Imam von morgen" sorgt für Wirbel

Geschrieben am 28. Juli 2010 um 08:08 Uhr.

Wer kennt sie nicht die ganzen Reality- und Castingshows, die derzeit absoluten Boom in der TV-Landschaft zu haben scheinen. Ob Superstars, Models oder Schauspieltalente, die in vielen Ländern in ähnlich gestrickten Showmodellen gesucht werden, fast jede große TV-Anstalt geht mit dem aktuellen Trend mit. Die Shows sind beliebt, ob sie aber wirklich dafür sorgen können aus einem Niemand einen langjährigen Star zu machen, ist fraglich.

In arabischen Ländern boomen diese Shows ebenfalls. Der Libanon dürfte hier die Liste anführen mit verschiedenen Castingshows, die nicht nur von den Teilnehmern hoch geschätzt werden, sondern auch vom Publikum. Aus den Golfstaaten und Saudi-Arabien gibt es eine etwas andere Art von Show. Hier lässt man der Religion noch den Vortritt und so werden viele Talentshows ausgestrahlt, in denen sich Kinder unter Beweis stellen können, wie gläubig sie sind.

Vielleicht sollte man eher sagen, dass sich Kinder präsentieren oder von ihren Eltern präsentiert werden und unter Beweis stellen wollen, wie gut sie den Koran auswendig können, ob sie ihn dabei auch verstehen, steht wohl auf einer ganz anderen Karte.

Die Sow, die nun in Malaysia für Wirbel sorgt, hätte genauso gut eine Erfindung Saudi-Arabiens sein können: Hier gibt es dieses Jahr zum ersten Mal die Show „Imam Muda“ (Junger Imam). Vergleichbar ist diese Show durchaus mit denen der Models und Sänger und anderen Stars weltweit, nur, dass hier die religiöse Komponente im Vordergrund steht.

Ein Imam ist ein islamischer Rechtsgelehrter, der durch seinen Rat nicht nur religiöse Vorgaben macht und Richtlinien erstellt, sondern auch politischen Einfluss ausüben kann, zumindest bis zu einem bestimmten Grad. Ein Imam genießt hohe gesellschaftliche Anerkennung und aus diesem Grund oder wegen der Preise, die winken, war der Ansturm auf die Show riesig.

Für die Show wurden in Malaysia zehn Teilnehmer gesucht, die sich bis zum 30. Juli noch unter Beweis stellen müssen, dass sie das Zeug zu einem guten Imam haben. Wie begehrt einer der Plätze in der Show war, zeigt die hohe Zahl der Bewerber: Es haben sich 1134 junge Männer auf die zehn Plätze beworben, aus allen gesellschaftlichen Schichten.

Aus welchen Gründen sie sich beworben haben und ob sie nur den kurzen Ruhm genießen oder wirklich ein guter, gesellschaftlich hochgestellter Imam werden wollen, muss wohl jeder für sich entscheiden. Der erste Platz kann sich auf alle Fälle sehen lassen und machte die Teilnahme vielleicht auch so begehrt: Es winken ein Apple-Notebook, umgerechnet 4000 Euro und ein Stipendium für ein Islamstudium an der Medina-Universität in Saudi-Arabien sowie eine Anstellung danach als Imam in einer der Moscheen in Kuala Lumpur.

Wenn das nicht Ansporn genug ist, die Herausforderungen anzunehmen und sich ganz nebenbei noch ein klein wenig als Star feiern zu lassen. Viele Musliminnen verfolgen die Show nun online über Facebook oder per Fernseher, ob sie dabei auf die religiösen Kenntnisse der Teilnehmer achten oder eher auf deren Körper ist fraglich, wobei wohl das zweite überwiegen dürfte.

Die Show sorgte weltweit für TV-Rummel, was die Macher der Show eigentlich gar nicht wollten und was sie auch nicht wirklich begrüßen. Die Show soll weniger als Castingshow als vielmehr als Show gesehen werden, in der die Religion wieder eine größere Rolle spielt, gerade in Zeiten, in denen der gesellschaftliche und politische Graben zwischen den verschiedenen Religionen in Malaysia immer größer wird.

Kategorie: Allgemeines, Asien



Hinterlasse einen Kommentar