Ehrenmord in Jordanien: Frau starb, weil sie den Falschen heiratete
europenews.dk
Jordaniens First Lady Rania setzt sich seit langem für die Rechte der Frauen in Jordanien ein. Sie gilt vielen Frauen als Vorbild, da sie trotz familiärer Verpflichtungen berufstätig ist und den Frauen ihres Landes immer wieder Mut macht.
Sie wird als moderne, emanzipierte Frau gesehen und verehrt, so dass immer mehr Mädchen und Frauen in Jordanien den Mut finden, ihren Willen durchzusetzen. In den vergangenen Jahren haben es demzufolge auch viele Jordanierinnen geschafft, zum Studium zu gehen und danach einen Job zu finden, jedoch stets unter den wachsamen Augen ihrer männlichen Verwandten.
Die jordanische Gesellschaft ist eine sehr traditionell geprägte Gesellschaft, in der Ehen ohne die Zustimmung der Familie fast undenkbar sind. Zwar findet man hier auch immer häufiger Paare, die sich in der Universität oder anderswo kennen gelernt haben, solang aber die Zustimmung der Familie fehlt, ist an eine Hochzeit nicht zu denken.
Obwohl sich die First Lady intensiv für die Belange der Frauen einsetzt und einen Kampf gegen sogenannte Ehrenmorde führt, sterben noch immer Frauen durch die Hand eines männlichen Familienmitgliedes. Nicht alle Frauen finden rechtzeitig den Schutz in den Frauenhäusern Jordaniens und erliegen ihrem Schicksal.
Erst gestern wurde wieder ein solcher Fall aus Jordanien bekannt. Ein Mann erschoss seine schwangere Schwester, weil sie ohne die Erlaubnis heiratete. Die junge Frau floh aus ihrem Elternhaus und heiratete ihre Liebe. Die Familie konnte mit dieser Tatsache jedoch nicht leben.
Da die Familie das bestimmende und wichtigste Glied der arabischen Gesellschaft ist, fuhr die junge Frau auf Einladung ihres Bruders, der ihre Sicherheit garantierte mit ihrem Mann zu der Hochzeit einer ihrer Brüder.
Leider konnte sie das Großereignis nicht genießen und sich mit der Familie aussöhnen, denn in einen Hinterhalt gelockt, wurde sie bei Ankunft von ihrem Bruder erschossen. Zwei andere Brüder verprügelten ihren Ehemann. Der Mörder wurde verhaftet und wegen Mordes angeklagt.
Für Mord steht in Jordanien die Todesstrafe, allerdings kann das Urteil gemildert werden, wenn es sich um einen Ehrenmord handelt und die Familie des Opfers um Gnade und Milde bittet. Leider gibt es noch immer einen Paragrafen im jordanischen Strafgesetzbuch, der Täter milde bestrafen lässt, wenn sie in Rage einen Mord zur Wiederherstellung der Familienehre begehen.
Die jordanische Gesellschaft lebt in einem Zwiespalt zwischen Tradition und Moderne. Viele Mädchen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen, stoßen dabei sehr schnell an die Grenzen dessen, was von den Familien akzeptiert wird. Auch wenn Gesetze die Frauen schützen sollen, gilt in vielen(vor allem in ländlichen) Gegenden Jordaniens das Blut- und Stammesrecht neben der staatlichen Rechtsprechung.
Auch wenn sich Königin Rania sehr in ihrem Kampf für die Emanzipation verdient macht, kämpft sie häufig gegen Windmühlen, denn auch sie vermag es nicht, die Einstellung der jordanischen Gesellschaft, vor allem der Männer, zu ändern. Es wird noch ein langer, steiniger Weg sein, bevor auch in Jordanien auf Ehrenmorde verzichtet wird, wenn es überhaupt einmal dazu kommt.
Um die Praxis der Ehrenmorde zu überwinden, müsste sich die Gesellschaft ändern, denn solang die Ehre und das Ansehen einer Familie über die Tugendhaftigkeit der Frau definiert wird, wird es wohl kaum Änderungen geben. Und eine patriarchalische Gesellschaft, die sich über Jahrhunderte hinweg etabliert und durchgesetzt hat, kann nicht so einfach in ihren Grundmauern erschüttert werden, schon gar nicht von Frauen.
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