2010: Ausblicke auf das neue Jahr

Geschrieben am 1. Januar 2010 um 11:24 Uhr.

2010

Das neue Jahr

Das neue Jahr ist nun schon einige Stunden alt, viele, die gestern feucht fröhlich das neue Jahr begrüßten und dies ausgiebig gefeiert haben, werden wohl noch friedlich träumen. Ich wünsche allen an dieser Stelle ein frohes neues Jahr und hoffe, dass es für jeden bringt, was er sich wünscht.

Klar kann es wohl nicht nur Positives geben, man wird ja immer wieder auf Proben gestellt, die zu bewältigen heißt es wohl auch 2010 und vor allem heißt es auch weiterhin, sich nicht unterkriegen zu lassen von Wirtschaftskrise, Problemen und Prüfungen, die anstehen.

Wir feierten und begrüßten in der letzten Nacht das Jahr voller Hoffnung, aber Angela Merkel warnte schon in ihrer Neujahresansprache vor zu hohen Erwartungen und zu viel Euphorie. Das Jahr 2010 wird wohl für die deutsche Wirtschaft eine weitere Belastungsprobe bringen. Denkt man an Opel, dessen Zukunft noch immer nicht sicher ist oder allgemein an den Automarkt.

Zwar hatten die Autohändler im letzten Jahr dank Abwrackprämie trotz Krise einen guten Absatz. Nur hätte man wohl auch das „Danach“ bedenken sollen. Was kommt 2010 auf die Autohändler zu? Viele haben ihren alten schon gegen einen neuen Wagen eingetauscht, so dass die Autobranche wohl erneut auf einen Tiefflug gehen wird.

Schauen wir ins Ausland dürfte das neue Jahr auch hier viele Überraschungen bringen, seien sie nun positiver oder negativer Art. Schauen wir beispielsweise nach Amerika: Hier gerieten sowohl der Präsident als auch der Geheimdienst unter Beschuss und aus diesem Dilemma erst einmal wieder herauszukommen dürfte eine nicht ganz so einfache Aufgabe sein, vor allem wenn man bedenkt, dass Obama in seinem Jahr als Präsident zwar gute Reden halten konnte, aber nicht wirklich gute Politik machte.

Ob sich Obama auch weiterhin mit seiner Politik behaupten kann muss man sicher abwarten. Genauso wie man wohl abwarten muss, wie die angenommenen Gesundheitsreformen umgesetzt werden. Auf diplomatischen Weg hat Obama 2009 wohl nicht viel erreicht und auch 2010 steht bereits jetzt schon unter den Zeichen von Krieg und Terrorbekämpfung.

Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bevor Amerika beginnt, aktiv in den jemenitischen Krieg gegen die dort neu erstarkende al-Qaida einzugreifen. Man wartet förmlich nur auf Luftangriffe auf bisher ausgespähte Unterschlüpfe und Aufenthaltsorte der Terroristen. Der Jemen entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einer Hochburg für radikale Islamisten, die nun Ende Dezember auch ganz gezielt begannen, gegen Amerika zu agieren.

Der vereitelte Terroranschlag von Detroit brachte Amerika  die Vergangenheit erneut vor Augen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag regierte die Angst viele Amerikaner. Hier wurde deutlich, dass man die Gefahren unterschätzt und die Sicherheit nicht ernst genommen hat. Erneut geriet der Geheimdienst in die Kritik, da wichtige Informationen einfach nicht ausgetauscht wurden, es erinnert an den 09.11.

Nun ist Amerika einmal mehr erwacht und beginnt eine dritte Front in Nahost im Antiterrorkampf zu eröffnen. Der Jemen war bereits vor der Eskalation ein zerrüttetes Land, an dessen Spitze ein Präsident sitzt, der wohl eher einer Marionette als einem Staatsführer gleicht. Im Norden führt die jemenitische Armee Krieg gegen die schiitischen Rebellen, die schon seit Jahren durch Entführungen von Ausländern nicht nur Stammesmitglieder freipressen wollen, sondern sich auch von der korrupten Regierung trennen wollen.

Im Süden des Landes bekommt die Separatistenbewegung immer mehr Macht und der Präsident kann die Menschen, die sich verraten und ungerecht behandelt fühlen, nicht auf seine Seite bringen. Ob der Jemen 2010 aus der Krise herauskommt oder ob es sogar wieder zu einer Teilung kommt, hängt nun von den Erfolgen der Regierung in den Kriegen ab und der Unterstützung durch ausländische Mächte.

Eins dürfte feststehen: 2010 ist der Jemen auf keinen Fall eine Region, in die man sich als Tourist verirren sollte, auch wenn die Landschaft noch so atemberaubend ist.

Die anderen zwei Fronten im Antiterrorkampf der USA sind der Iran und Afghanistan. Zu beiden Ländern braucht man wohl nicht allzu viel zu sagen, denn die Entwicklungen dürften hier für 2010 so ziemlich klar sein. In Afghanistan wird der Krieg weiter gehen, die Afghanistan-Konferenz in die derzeit viel Hoffnung gelegt wird, wird wahrscheinlich kaum dazu beitragen, dass sich die Situation in diesem Jahr in Afghanistan ändert.

So wie bereits in den letzten Monaten begonnen, werden wohl die US-Eliteeinheiten und Truppen die Einsätze gegen die Taliban fortsetzen und dabei immer wieder auch Zivilisten töten oder verletzten. Das Vertrauen in die internationalen Schutztruppen ist bereits gesunken, Kritik wird aus der afghanischen Bevölkerung breit und die dürfte sich auch 2010 halten, wenn nicht sogar verschärfen.

Vielleicht sehe ich aber an dieser Stelle die Sache einfach nur viel zu schwarz: Vielleicht bringt die Afghanistan-Konferenz etwas und man kann nach acht Jahren Krieg und mehreren verschiedenen Strategien nun endlich doch eine finden, die das Land in den Frieden führt. Naja, ich glaube da noch nicht wirklich dran. Ich würde eher vermute, dass sich die Lage in Afghanistan eher noch verschlechtert.

Muss man 2010 einen Krieg vom Iran ausgehend befürchten? Wohl eher nicht, es wird wohl eher spannend, wie sich die inneren Auseinandersetzungen weiter entwickeln werden. Die Opposition vermehrt ihre Demonstrationen und Proteste und fordert so schon die tyrannische Regierung heraus.

Ob Gewalt und Massenverhaftungen die Opposition im Iran wieder zurückdrängen können, ist fraglich. Die Bewegung hat sich losgetreten und verselbstständigt, sich wohl auch nicht ganz ohne Hilfe aus dem Westen. Wer hätte denn kein Interesse daran, die Regierung im Iran zu schwächen und mit inneren Problemen zu beschäftigen, als sich weiter im Atomstreit herumzuschlagen.

Apropos Atomstreit: Hier wird in diesem Jahr eine Lösung erwartet, wie diese aussieht ist schwer vorauszusagen, oder etwa doch nicht. Ahmadinedschad hält weiter an seinen Atomprogramm fest und erklärt sich vielleicht hin und wieder doch noch einmal bereit, über Kompromisse zu diskutieren, die dann wieder so lang aufgeschoben werden, bis der Westen von allein darauf kommt, dass der Iran kein Interesse daran hat.

Auch in Israel / Palästina wird es sicher weiterhin spannend. Noch vor zwei Jahren hoffte jeder bei Jahreswende, dass der eigene unabhängige Staat Palästina nicht mehr lang auf sich warten lässt, heute hofft man wohl eher, dass nicht wieder ein Krieg ausbricht, der viele Unschuldige in den Tod reißt.

An der aggressiven Politik Israels gegenüber den Palästinensern wird sich auch 2010 nicht viel ändern. Zumindest werden wohl bis September des Jahres keine neuen Wohnungen im Westjordanland von der israelischen Regierung genehmigt, was allerdings auch nicht wirklich ins Gewicht fallen dürfte, da andere Orte auf eigentlich palästinensischem Boden gefunden werden, die sich auch zum Bau eignen.

Israel wird also weiter provozieren, die Palästinenser werden versuchen sich dagegen zu wehren und gleichzeitig auch zu provozieren. Vielleicht schafft man es 2010 einmal wieder an einen Tisch zu kommen, um wieder über irgendwelchen Nonsens zu reden und Anschuldigungen hin und her zu schieben, ohne dabei wirklich etwas erreichen zu können oder zu wollen.

Die Situation im Libanon ist wohl auch nicht ganz so sicher. Immerhin wurde ja auch bekannt, dass israelische Flieger immer wieder in den libanesischen Luftraum eindringen und immer wieder Warnungen an die Regierung schicken, da diese ja nun auch von der als terroristische Organisation der Hisbollah mit an der Regierung beteiligt ist.

Der Nachbarstaat Syrien wird wohl weiter an dem Ausbau seines Tourismussektors arbeiten und wird sicher auch 2010 wieder kritisch betrachtet werden aufgrund seiner Kontakte zum Iran und der Unterstützung der Hisbollah im Libanon.

Was sich aber 2010 verbessern könnte, sind die Beziehungen zwischen dem Libanon und Syrien, denn hier wurden ja schon erste Grundlagen gelegt, die hoffentlich 2010 weiter ernsthaft ausgebaut werden. Genauso wie mit dem Libanon laufen die Beziehungen zur Türkei immer besser. Zwei positive Ansätze, die Syrien endlich wieder aus seiner Fast-Isolation herausbringen können.

Ob sich Barack Obama 2010 an seine anfänglichen Bemühungen erinnern wird, Syrien wieder mehr in sein Interessenbereich zu holen und Beziehungen aufzunehmen, ist fraglich. Nach den positiven Anfängen vor fast einem Jahr, schlief ja alles wieder ein.

Ansonsten kann man für Syrien eigentlich nur auf weitere Reformen hoffen, die der Bevölkerung ein besseres Leben sichern können. Optimal wäre natürlich die Bekämpfung der Korruption, aber bevor dies geschieht, wird wohl noch ganz viel Wasser den Orontes und dem Barada herab fließen.

Für meinen Freund und mich heißt es auf alle Fälle 2010 auch wieder: Syrien wir kommen. Schließlich haben wir nun ein ganz süßes Patenkind in Salamiyah und viele neue Freunde dort gefunden, die wir gern wieder sehen wollen und die sicher auch auf unsere Hilfe angewiesen sind.

Obwohl ich noch lange nicht alle Länder betrachtet habe, hoffe ich, doch die Brennpunkte für 2010 so halbwegs abgearbeitet zu haben. Ich hoffe, man so einen kleinen zusammenfassenden Überblick auf das, was man 2010 erwarten könnte. Natürlich lege ich hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder gar Garantie, dass alles so kommt, wie hier dargestellt. Was ist schon sicher in der großen Politik.

In diesem Sinne wünsche ich noch einmal allen ein gesundes und möglichst erfolgreiches Jahr 2010.

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Kategorie: Politik



Ein Kommentar zu “2010: Ausblicke auf das neue Jahr”

  1. Lazy sagt:

    man kann 2010 nur hoffen, dass die kriege weltweit abnehmen bzw. beendet werden, allein der Glaube fehlt mir natürlich, leider.

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