Jemen: Antiterrorkampf weitet sich unaufhaltsam aus

Jemen
Der Jemen, südlichstes und zugleich ärmstes Land der arabischen Halbinsel war bisher eigentlich weniger beachtet in den westlichen Medien. Man hörte von diesem Land immer einmal wieder im Zusammenhang mit Entführungen von Ausländern durch die schiitischen Rebellen im Norden, was sonst dort passierte, interessierte nur wenig.
Jetzt wendet sich das Blatt: Mit dem vereitelten Anschlag vom Freitag in Detroit, erklärte die USA nun auch offiziell ihren Einsatz an der neuen Front gegen den Terror. Dass der Terror hier aber schon lange einen Nährboden hat, wurde bisher eher verdrängt. Das soll nicht heißen, dass sich Amerika bisher aus den Entwicklungen im Jemen herausgehalten hat.
Allerdings waren die Kriege im Irak und in Afghanistan wichtiger, sodass die Lage eskalieren konnte. Viele Faktoren spielen im Jemen zusammen und geben dem Terrorismus viel Macht in dem geschwächten Land.
Wer einmal im Jemen war, weiß unter welchen Bedingungen die meisten Familien leben. Aufgrund der schlechten Wirtschaftssituation ist die Armut sehr groß. Das Stammesleben hat hier noch eine sehr wichtige Rolle und vor allem ist im Jemen allgemein ein Hass auf Amerika zu spüren – und das nicht erst seit einigen Wochen.
Der Präsident und seine Regierung sind schier machtlos und schaffen es nicht einmal das ursprünglich getrennte Land wirklich zu vereinen und Feindseligkeiten zu beseitigen. Hinzu kommt der schon lange schwelende Konflikt zwischen der Regierung und den schiitischen Rebellen im Norden des Landes, der vor einigen Monaten in einen offenen Krieg ausbrach.
Natürlich stand der Jemen schon lange unter Beobachtung. Die Amerikaner waren mehr oder weniger bemerkt im Land und versuchen schon seit geraumer Zeit den Präsidenten auf die Seite des Westens zu bekommen. Man plant schon lang eine Offensive gegen die Terroristen, die dort viele Ausbildungslager haben.
Im Oktober 2000 wurde die Präsenz der Amerikaner im Jemen jedem deutlich gemacht durch einen Terroranschlag auf das amerikanische Kriegsschiff, die USS-Cole im Hafen von Aden. Nach dem Angriff baute der Führer der al-Qaida Gruppe im Jemen Wuhayshi eine schlagkräftige Organisation auf, die sich wie ein Krebsgeschwür über den Jemen ausgebreitet hat. Die Mitglieder der Gruppe sind entweder in Sanaa ausgebildete oder aus Saudi-Arabien geflohene Extremisten, die sich den Kampf gegen Amerika und den Westen zum Hauptziel gemacht haben.
Zu dieser Gruppe soll auch der Nigerianer, der die Passagiermaschine über Detroit zum Absturz bringen wollte, Kontakte gehabt haben. Hier soll er ausgebildet und mit dem Sprengstoff versorgt worden sein. Von hier sind auch in nächster Zeit Anschläge zu befürchten durch Einzelpersonen, die nur auf ihren Einsatz warten.
Die erstarkte al-Qaida im Jemen hat den Krieg gegen Amerika aufgenommen. Drohungen, wie die vom 20. Dezember als bereits Anschläge angekündigt wurden, folgen nun wohl immer mehr Taten. Die Warnungen werden nun sicher auch ernst genommen. Man weitet die Sicherheitskontrollen überall aus und ist in höchster Alarmbereitschaft.
Der vereitelte Anschlag in Detroit am vergangenen Freitag könnte erst der Anfang einer neuen Art von Terror gewesen sein, denn die al-Qaida äußert sich deutlich. Man lässt muslimische Frauen und Kinder nicht ungestraft töten im Kampf, den die USA im Namen der Terrorbekämpfung führt.
Es könnte als eine erste Antwort auf den bisher geheimen Kampf der USA im Jemen sein. Denn die US-Luftwaffe griff nicht nur am 17. Dezember, wie hier schon berichtet wurde, in die Kampfhandlungen im Jemen ein. Auch kurz vor dem Anschlag in Detroit warfen jemenitische Kampfflugzeuge eine Bombe in der Nähe der Stadt Shabwa ab. Der Angriff wurde mit US-Hilfe durchgeführt.
Ziel des Angriffs war ein Lager der al-Qaida, in dem auch namhafte Chefs der Terroristen gewesen sein sollen. Ob die Anführer der al-Qaida, wie beispielsweise Nasir al-Wuhayshi, beim Angriff ums Leben kamen, ist noch unklar. Klar sollte aber jedem sein, dass al-Qaida eine Ideologie ist, die sich auch ohne ihre Köpfe weiter verbreitet.
Kurz vor dem Jahreswechsel baut also die USA ihren Kampf gegen den Terror aus und mischt nun offiziell im Kampf im Jemen mit. Bisher steht nur eine große finanzielle Hilfe, mit welchen Geldern auch immer, auf dem Plan sowie die intensivere Ausbildung der jemenitischen Soldaten und Sicherheitsbeamten.
Für die Bevölkerung im Jemen wird der sich nun ausweitende Kampf gegen den Terror verheerende Folgen haben. Hier werden die Amerikaner aber genauso wenig wie im Irak und in Afghanistan aber mit offenen Armen als Befreier begrüßt werden. Das dürfte aber egal sein, was braucht es schon Rückhalt aus der Bevölkerung im Kampf gegen den Terror, der ja irgendwie alles erlaubt.
Das Jahr 2010 startet also für die Bevölkerung im Jemen mit der Ausdehnung der Kampfeshandlungen. Die Regierungstruppen sind schon überfordert mit dem Kampf gegen die Rebellen im Norden des Landes und die Regierung hat alle Hände voll zu tun, die Separatistenbewegung im Süden ruhig zu halten. Nun kommt noch der Kampf gegen die Terroristen hinzu.
Es wird sicher nur noch eine Frage der Zeit sein, bis amerikanische Truppen im Jemen einmarschieren, um hier aktive Hilfe zu leisten. Trotz fehlenden Geldes lockt doch so viel, natürlich der Kampf gegen die Terroristen, die Möglichkeit, sich die Kontrolle über die Rohstoffe zu sichern und ein neues Land, das mit der westlichen Demokratie beglückt werden kann.
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