Russland: Abschied vom Wodka?

Geschrieben am 30. Dezember 2009 um 12:31 Uhr.

Wodka_gorbatschow

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„Die Russen wachsen schon mit Wodka anstelle von Babymilch auf“, klingt böse und nach einer schlechten Verallgemeinerung, trifft aber den Kern der Sache. Der Konsum an Wodka in Russland ist immens hoch und bringt neben guten Staatseinnahmen auch viele Probleme gesundheitlich als auch gesellschaftlich mit.

Ab ersten Januar soll es den Wodkatrinkern an den Kragen gehen, man paddelt harten Zeiten entgegen. Die Regierung hat einen Einheitsmindestpreis von 89 Rubeln, rund 2 Euro, festgelegt, der pünktlich zum neuen Jahr eingeführt werden soll.

Zwei Dinge will die Regierung damit erreichen: Zum einen sollen die qualitativ schlechten Produkte so vom Markt gedrängt werden, zum anderen sollen die Russen dadurch auch endlich lernen, Maß zu halten in Sachen trinken. Ob die Regierung mit dieser Kampagne Erfolg haben wird, ist fraglich, denn schon in der Vergangenheit haben es gerade die Armen verstanden, ihren Fusel selbst zu brennen.

Statistisch verbraucht jeder Russe jährlich 18 Liter reinen Alkohol, auf den Wodka mit ungefähr 40 Prozent umgerechnet, entspräche das einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 45 Litern. Das soll erst einmal einer den Russen erst einmal nachmachen, oder lieber nicht, denn die Folgen sind verheerend.

Wie die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Putin-Partei bekannt gibt, sterben jährlich 900.000 Russen an den Folgen des Trinkens, oder sollte man in diesem Fall lieber Saufens sagen. Erhöhte Blutalkoholwerte werden bei immerhin zwei Dritteln aller Russen zwischen 15 und 54 Jahren bei Obduktionen festgestellt.

Alarmierende Zahlen, gegen die man unbedingt etwas unternehmen muss. Aus diesem Grund wird nun auch der Einheitsmindestpreis des Wodkas festgesetzt. Somit werden viele Russen, vor allem aus Gegenden jenseits der Metropolen wohl kaum mehr so viel Wodka kaufen können wie bisher. Der russischen Oberschicht dürfte der Preisanstieg ziemlich egal sein, denn bei ihnen kommt es sicher nicht auf ein oder zwei Rubel mehr an.

Doch warum trinken Russen eigentlich so viel? Man kann davon ausgehen, dass zunächst einmal die Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit große Teile der Bevölkerung zum Trinken treiben. Zum einen nervt die Bürokratie, mit der man sich ständig herumschlagen muss, zum anderen verleitet die Perspektivlosigkeit die Bevölkerung zum Trinken.

Von der Perspektivlosigkeit sind viele Menschen betroffen, außerhalb der großen Metropolen ist das Leben hart und Arbeit gibt es kaum welche. Tatsachen, die außerhalb der Landesgrenzen nicht gesehen werden oder nicht gesehen werden wollen.

Aber neben all den Problemen, die Russen treiben, zur Flasche zu greifen, ist das Trinken auch ein fester Bestandteil der Kultur. Wer nicht trinkt, ist kein Mann und wird somit von der Gesellschaft nicht angenommen. Wer mit seinen Brüdern trinkt, wird sie später nicht verraten, so ist es zumindest in der Gesellschaft integriert und erinnert immer wieder an die Brüderlichkeit des Sozialismus, längst vergangene Tag, die dem ein oder anderen Russen sicher lieber war als die derzeitige politische Situation.

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Kategorie: Politik, Russland



3 Kommentare zu “Russland: Abschied vom Wodka?”

  1. Lazy sagt:

    russland ohne wodka? beinahe unvorstellbar.. :-)

  2. Lars sagt:

    russland ohne wodka gibt es nicht!

  3. Miro sagt:

    Ich glaub der russische Vodka ist wie unsere Lederhose, Volksmusik und Weißwurst mit Brezeln :D

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