Unruhen in Nigeria schwächen Regierung weiter

ref-ag.ch
Nigeria, vor allem die Nordregion, droht in Unruhen unterzugehen. Nur einige Tage nachdem ein Nigerianer bei einem Anschlagsversuch in Detroit gestoppt werden konnte, wird die Situation in Nigeria selbst sehr unsicher.
Bei den neusten Unruhen, die religiös motiviert waren, wurden mindestens 38 Menschen getötet. Nach der Predigt eines Führers einer neuen islamistischen Sekte, die gegen Muslime gerichtet war, kam es am Montag zu Auseinandersetzungen in der nordöstlichen Provinzhauptstadt Bauchi.
Die Polizei wollte die Predigt, in der Muslime als Ungläubige beschimpft wurden, auflösen. Danach zogen aber die Anhänger des Imams und der Ideologie der neuen Sekte, die es erst seit ungefähr einigen Monaten gibt, durch die Straßen und randalierten.
Die neu aufgetretene Sekte Yan Kala-Kato dürften in einigen Ideologien mit der verbotenen militanten Gruppe Boko Haram übereinstimmen. Der Führer der Gruppe Boko Haram hatte nach den bewaffneten Aufständen in verschiedenen nordostnigerianischen Städten im vergangenen Juli bekannt gegeben, dass sie sich der al-Qaida angeschlossen habe und nun ihr Ziel verfolgt, Nigeria mit Krieg zu überziehen und zu schwächen.
Die religiösen Streitigkeiten sind aber nur ein Problem Nigerias, das wohl noch schlimmere Problem, das die Politik handlungsunfähig macht ist der Staatspräsident des Landes. Der nigerianische Staatspräsident, ein Muslim, liegt schwerkrank in Saudi-Arabien, um sich dort einer Behandlung zu unterziehen.
Allerdings weigert sich das Staatsoberhaupt, dem christlichen Vizepräsidenten für die Dauer seiner Abwesenheit die Macht zu übergeben. Der Vizepräsident ist handlungsunfähig und nicht weisungsberechtigt, d.h. für alle Entscheidungen, die getroffen werden müssen, müssen Regierungsvertreter nach Saudi-Arabien, um sich dort die nötigen Unterschriften einzuholen.
Eine Situation, in der Politik nicht einmal ansatzweise befriedigend gemacht werden kann und die andererseits radikalen, islamistischen Kräften die Möglichkeit gibt, die Lücken zu füllen. Die nigerianische Regierung hat auf keinen Fall die Macht und die Kraft gegen religiöse Unruhen anzukämpfen.
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